Kultur mit 5 Sinnen – Tag 2 / Erstellung der Ausstellung

Begegnungsebenen im Spreewald schaffen / gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

Geflüchtete, Brandenburger und Berliner verarbeiten die Ergebnisse von dem Workshop-Tag 1 zu einer Foto-Ausstellung über die Region, die Kulturen und das Projekt.


Unter der Anleitung der beiden Künstler Samia Hussein und Michael Birn verwandeln wir den Warteraum im Übergangswohnheim Wutscherogge in eine Art 3-D-Karte mit blauem Horizont durch den ganzen Raum.

Ein roter Punkt auf der Weltkarte: Die Wutscherogge. Ein roter Punkt auf der Europakarte. Immer derselbe Ort. Deutschland, Brandenburg, Spreewald. Immer der rote Punkt. Wir zoomen uns heran an diesen Ort, an dem alle gerade zufällig Zwischenstation machen, auf ihrem Weg in die Zukunft. In alle Richtungen verorten wir das Heim. Der Raum wird zum Kompass, die Wände zu Wegweisern. Fotos zeigen uns in welcher Richtung die Kanufahrt stattgefunden hat, der Musikworkshop, das große Festmahl, der Einkauf. Wo ist die Schule, der Deutschkurs, der Arzt, der Fischer, das BamF, das Jobcenter, der Deutschkurs. Nach erstem Zögern arbeiten Männer, Frauen und die Jugendlichen aus dem Heim gerne mit, offensichtlich froh, eine Ausdrucksmöglichkeit für ihr Erleben zu bekommen. Zu diesem Termin waren einige Teilnehmer aus der Region anwesend, die bereits ehrenamtlich im Heim engagiert sind. Der Ansatz von Michael und Samia, ein schlichter, blauer Horizont öffnet den Blick auf das, was dahinter liegt. Wir haben ausgedruckte Fotos und wir schmücken das Treppenhaus damit und wir sorgen für gute Stimmung in der Erinnerung an das vergangene Wochenende. Aber sehr schnell greifen die jungen Männer auf, was der Horizontbietet: Im Internet sucht Michael nach Fotos von Aleppo und Kabul, von Homs, von Hama und wir hängen sie den Himmelsrichtungen entsprechend auf und reden über die zerstörte Heimat. Über all die Menschen, die sie nicht wiedersehen werden. Und reden und kleben und reden.

Natürlich können wir nach getaner Arbeit nicht einfach verschwinden. Wir brauchen Strom und die Heimleitung zaubert: Boxen und Strom. Es gibt eine Party.